...weiter Mai 2021

So wundervoll sehen derzeit die Brutwaben der Völker aus. Bis zum Rand ist jede Zelle mit Brut belegt und bis zur Sommersonnenwende am 21.Juni bleibt das Brutniveau auf diesem hohen Stand.

Momentan legt die Königin ca. 2000 (!) Eier am Tag und die Völker streben die Teilung des Stockes durch Schwärmen an. Wenn alle schon fast auf gepackten Koffern sitzen, tragen sie kaum mehr Nektar ein, haben keine Lust mehr zu bauen und warten nur auf einen idealen Tag mit 20°C Windstille um zu schwärmen. Dann wird vor der Tür gechillt und rumgehangen.

Das sieht dann so aus:

Die Schwarmverhinderung ist in der Imkerei das A und O und bereitet in den Sommermonaten die meiste Arbeit. Schwärme die in der Natur verloren gehen, können nicht ohne menschliche Hilfe überleben, da sie zwangsläufig an der asiatischen Varroamilbe sterben. Daher ist es oberste Priorität die Bienen zu Hause zu halten und sie gut zu versorgen und die Varroamilben zu bekämpfen.

Hier kann man gut die Honigzellen erkennen, mit und ohne Deckel :)

Diese Biene rettet gerade ein verlorenes Pollenkorn einer Kastanie. Hier ist das Größenverhältnis gut zu sehen, mit dieser schweren Last an beiden Beinchen fliegen sie den ganzen Tag umher.

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Juni 2021

Der Juni fing verrückt an und ging verrückt zu Ende.

In diesem Jahr spielt die Natur der Imkerei Scherzchen in Reihe! Es ging sehr spät los und nun purzelte alles aufeinander. Was bedeutet das?

In normalen Jahren gibt es in unserer Region zwei Honigernten, Frühtracht und Sommertracht.

Mit frühtracht ist meist Rapshonig gemeint, da außer Raps bei uns nichts mehr so üppig blüht, daß man Honig ernten könnte. Die Landschaft ist ausgeräumt und mit Gewerbegebieten versiegelt. Ansonsten Mais soweit das Auge reicht, denn dafür bekommen die Landwirte das meiste Geld. Auch Getreide bringt für Insekten keine Nahrung.

Pflegefreie Steingärten mit stylischen Metallskulpturen statt Blütenpracht machen ein Übriges aus.

So sind Bienen tatsächlich auf Raps angewiesen um im Frühjahr durchstarten zu können.

 

In diesem Jahr blühte der Raps schon einenganze Zeit bei noch immer zu niedrigen Temperaturen für Bienen unter 10°C. Daher konnten sie die Blüten erst spät befliegen und nur wenig Nektar sammeln. Diesen ersten Nektar haben sie vollständig "verbrütet", der nötige Energieschub für die ersten Brutzyklen um durchzustarten.

 

In der Zwischenzeit fingen auch schon einige eigentliche Sommerblüher an zu blühen und die Frühtracht überlappte mit der Sommertracht. Viel zu kurze war in diesem Jahr die Zeit zwischen sehr spätem Start und der Sommersonnenwende am 21. Juni.

Ab jetzt bereiten sich die Bienenvölker wieder auf den Winter vor, da die Tage nun langsam wieder kürzer werden.

Das Bienenjahr läuft nicht kalendarisch ab, sonderen orientiert sich am Sonnenstand.

So schauen die Imker dieses Jahr etwas in die Röhre und man muß sich mit viel Arbeit und kleiner Ernte zufrieden geben.

Ebenso im Highspeedtempo haben die Wilden Verwandten in diesem Jahr in Windeseile ihre Brutröhren gefüllt und sorgen so für die nächste Generation. Sie haben so fleißig Pollen gesammelt, daß sogar kleine abgestreifte Häufchen vor den Röhren liegen. Diese Pollen werden gern und dankbar für die Arbeitserleichterung von Käfern aufgegessen.

Pollenvorrat mit Ei im Beobachtungskasten
Pollenvorrat mit Ei im Beobachtungskasten

Die Trachtzeit für die Bienenvölker geht langsam zu Ende, es blüht schon die Linde.

Die Lindenblüte zeigt immer an, daß auch alles andere nun am Verblühen ist und direkt danach steht eigentlich die Sommerernte an. Diese fällt in diesem Jahr aus, denn der Nektar reicht nur für die Völker selbst.

An den warmen Tagen sieht es am Bienenstand so aus wie man auf dem folgenden Bild sieht.

Bienenwolke total.

Momentan blüht auch die Brombeere, sie gehört zu den späten Blüten und gehört ganz den Bienen!

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Juli 2021

Der arbeitsreichste Monat in der Imkerei ist vorüber. Im Juli fallen viele Arbeiten in eine kurze Zeit.

Die Sommerernte muß geschleudert werden und alle Erntegeräte gereinigt und verpackt für die nächste Saison.

Dieses Jahr ist für alle Imkereien ein sehr schlechtes Honigjahr gewesen, mit sehr geringen oder sogar ausgefallenen Ernten. Das trifft vor allem die Berufsimker hart, sie leben ja mit ihren Familien voll und ganz von der Imkerei.

 

Gleich im Anschluß an die Ernte muß schnell die erste Varroabehandlung einsetzen, damit der Milbendruck reduziert wird bevor die Völker Schaden nehmen.

Ich behandle meine Bienenvölker ausschließlich mit organischen Säuren die in der Natur vorkommen, Ameisensäure im Sommer und Oxalsäure im Winter.

Im Spätsommer erfolgt nun die Ameisensäurebehandlung mittels eines Verdunsters und einem Papierdocht.

Das sieht so aus:

 

In der Flasche befindet sich die Ameisensäure, sie steht kopfüber auf dem Papierdocht, welcher nun langsam und schonend die Säure aus der Flasche saugt. So erfolgt eine sehr sanfte und bienenschonende Varroabehandlung.

In vielen Jahren ist eine zweite Behandlung nötig, da zu dieser Jahreszeit die Milben einen Entwicklungsschub machen, die Bienenvölker jedoch ihre Induviduenzahl bereits verringern und die Brutnester schrumpfen.

So entsteht das gefährliche Ungleichgewicht zwischen Wirt und Schädling.

Gleich nach der ersten Varroabehandlung bekommen die Bienenvölker die erste große Portion Futtersirup.

Er wird aus diesen großen Containern in Eimern zu den Völkern transportiert.

Dann sieht mein Auto ständig so aus:

Ameisensäuredispenser abholen und Futter hinbringen...

 

Zugegebenermaßen ist dies eine Zeit in der Imkerei die nur noch viel Arbeit und keinen Spaß macht.

Es regnet meist viel, es ist oft kalt und naß, alles klebt vom Sirup, Autoboden, Kupplung, Türgriffe... und füttern geht nur spät abends, zur Not mit Stirnlampe, da sonst üble Räuberei entsteht wenn die Spürbienen das Futter des Nachbarn riechen...

da ist durchhalten angesagt....!

Auch Bienentransporte können nur spät Abends erfolgen, wenn alle Bienen zu Hause sind!

So sieht eine typische Futterschüssel aus. Das Futter ist komplett mit Gras abgedeckt, damit keine Bienen im Futtersirup ertrinken und sie bequem rein- und raussteigen können.

Guten Appettit, Mädels!

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